1 D-Musikklassiker 17 Feuilleton 6 Engel im Netz David Bowie verkauft seine neue CD im Internet. Erfindet die Popmusik als Videospiel. Und gewinnt, ganz nebenbei, das Herz der Melodie zurück Das Maultier ist unser Wappen Warren Haynes und seine Band Gov’t Mule besiegen den Pop und die Gegenwart mit Blues-&-Soul-Rock und viel Geschichte Das Phantom seiner Opern Als Klassiker hat David Bowie die größtmögliche Ähnlichkeit mit sich selbst erreicht. Auf seiner Tournee kann man sich davon überzeugen Tausend wilde Blumen Die Undergroundhelden der Band Sonic Youth defilieren heute lieber im Sonnenschein als im Klanggewitter </reference> <reference href="http://xml.zeit.de/2005/36/D-Aufmacher" issue="36" publication="ZEIT" source="auto" type="intern" year="2005"> <title>Wir sind ein kleiner Familienbetrieb Die Rolling Stones lassen mit »A Bigger Bang« die Alten jung aussehen Schlangenmusik Auf dem Album "Trout Mask Replica" versammelte Captain Beefheart 1969 die Musik der Outsider des 20. Jahrhunderts. Bis heute sind seine Klangsplitterbomben nicht entschä Liebster Albtraum Die Arctic Monkeys sind die Band des Jahrhunderts, China rockt den Planeten, die Avantgarde verlässt Manhattan, und Coco Rosie leimen die Kritiker. – Die Musikpresseschau Das Pop-Orakel Was es heißt, eine Künstlerexistenz zu führen: Velvet Underground Alle Bands im Überblick Wer kommt eigentlich alles zum MELT! Festival und wer ist das? </reference> <reference href="http://xml.zeit.de/online/2006/04/echolot230106" issue="04" publication="ZEIT online" source="auto" type="intern" year="2006"> <title>Unter Schornsteinfegern Schwarz, schwarz, schwarz sind alle ihre Kleider… Depeche-Mode-Fans bevölkern die Zeitungsspalten von FAZ bis taz. Und sonst? Wilson Pickett ist nicht mehr da. – Unsere wöchentliche Musikpresseschau </reference> <reference href="http://xml.zeit.de/autoren/G/Thomas_Gross/references.xml" issue="04" publication="ZEIT online" source="auto" type="intern" year="2006"> <title /> </reference> <reference href="http://xml.zeit.de/2005/23/Marcus_Dylan" issue="23" publication="ZEIT" source="auto" type="intern" year="2005"> <title>Die Steine selbst, so schwer sie sind Greil Marcus erklärt die Welt aus dem Bob-Dylan-Song »Like A Rolling Stone« und unterhält den Leser diesmal spielerisch Musik Tourneen Popmusik Konzerte alias Soul M. Zinsmaier yes 1 DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17 2007-04-22T11:48Z yes 50 6 Musik Kultur 17 2007 no OK Der Weg zum Ich weihser 2007-04-19T12:00:00Z Klassiker der Moderne (58) Der Weg zum Ich Auf seiner Platte "Hunky Dory" von 1971 reitet David Bowie durch die Popgeschichte. Gierig saugt er alles ein: Folk, Glam Rock, Hippietum, Geschlechterverwirrung, Kunst und Cabaret. Von Markus Zinsmaier

Irgendwo auf halbem Weg zwischen Space Oddity und The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars muss es passiert sein. Eine Eingebung war es, die den damals 24-jährigen David Robert Jones, bekannt unter seinem Künstlernamen David Bowie, zu Beginn der Siebzigerjahre heimgesucht hat. Vergessen sind auf einen Schlag die Mitschunkelnummern der Mittsechziger, die Versuche im härteren Rock wenig später. David Bowie fand zu sich selbst, und das heißt, zur Figur des ewig sich wandelnden Rockstars: ein Wesen wie von einem anderen Stern, das mit seinen verschiedenfarbigen Augen den Pop und die Welt abtastete, hiervon ein bisschen nahm und davon auch. Schwer zu greifen war das, aber voller Glamour und mit einer Vorliebe für die Nebenstraßen und zwielichtigen Ecken. Später wird man das camp nennen. BILD

Auf Hunky Dory (1971) ist diese Reise durch die Popgeschichte bereits angelegt. Von allen seinen Alben – und es gibt einige, die im Kanon der Bestenlisten immer wieder auftauchen, neben Ziggy Stardust auch das Berlin-Triptychon Low/Heroes/Lodger – zeigt Hunky Dory Bowie am unverfälschtesten. Gierig saugte er alles in sich hinein: Bob Dylan und Velvet Underground, den heraufdämmernden Glam Rock, Folk, Music Hall, Hippietum, Geschlechterverwirrung, Kunst und Cabaret. Die Welt geriet zur Bühne und die Musik zum Experimentierfeld auf dem Weg zum Ich.

Wenn wir heute, 36 Jahre später, noch einmal genau hinhören, können wir diesen schmalen jungen Mann mit dem Engelshaar lachen hören. »So I turned myself to face me / but I’ve never caught a climpse / of how the others must see the faker / I’m much too fast to take the test«, sang er im Eröffnungssong Changes. Ein Junge aus dem ärmlichen Londoner Viertel Brixton schenkte dem Pop eine neue Note, indem er sich seine Vorbilder zu eigen machte und in etwas Neues verwandelte. Das Ergebnis war bigger than life. Bowie war der Erste, der mit der Idee einer überlebensgroßen Rockfigur um die Ecke kam. Auf Hunky Dory erprobte er die neuen Möglichkeiten zaghaft. Über Nacht hatte er seine Stimme gefunden. Das Album läutete Bowies große Zeit in den frühen Siebzigern ein, die eng mit dem Label RCA verbunden ist.

Mehr noch als auf Ziggy Stardust, dem Album, das ihn ein Jahr später berühmt machen sollte, spielte Bowie auf Hunky Dory mit Formen und Inhalten. In den Texten vernetzen sich Themen wie Androgynität und Entfremdung mit Zitaten von Friedrich Nietzsche und Referenzen an den englischen Mystiker Aleister Crowley. Mit Gitarrist Mick Ronson, Schlagzeuger Mick Woodmansey und Bassist Trevor Bolder hatte er Ziggys spätere Begleittruppe The Spiders From Mars gefunden. Richard Wakeman, hernach an den Bombastreglern der Artrocker Yes tätig, setzte dazu perlende Pianoakkorde, die die Kompositionen von Bowie so zart klingen ließen wie nie wieder danach. Ein Monster mit dem Gesicht eines Engels ward geboren. 

David Bowie: Hunky Dory (EMI)

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Seine Platte "Hunky Dory" ist ein ewiger Klassiker David Bowie Auf seiner Platte "Hunky Dory" von 1971 reitet David Bowie durch die Popgeschichte. Gierig saugt er alles ein: Folk, Glam Rock, Geschlechterverwirrung, Kunst und Cabaret Der Weg zum Ich